ADHS und Depression

Häufige Komorbidität im Praxisalltag

ADHS und Depression
Bei einer Depression liegt häufig eine unerkannte komorbide ADHS vor

Berlin. ADHS und Depression treten häufig gemeinsam auf: Bei fast jedem zehnten Depressionspatienten liegt eine komorbide ADHS vor [1]. Ärzte sollten also ein Screening auf ADHS in Erwägung ziehen, wenn die Therapie bei einem Patienten mit Depression keine zufriedenstellende Wirkung zeigt. Über den Zusammenhang von ADHS und Depression sprachen Experten auf einem von Takeda ausgerichteten digitalen Symposium im Rahmen des Kongresses der DGPPN.

„Eine ADHS kommt selten allein. Das Risiko für assoziierte bzw. komorbide Erkrankungen - darunter Substanzmissbrauch, Depressionen, bipolare Störungen und Angststörungen – ist bei Menschen mit ADHS um fast das Fünffache erhöht“, betonte Prof. Alexandra Philipsen, Bonn [2]. Da sich die ADHS-Kernsymptome zu einem großen Teil mit den Symptomen anderer Störungen überschneiden, ist eine exakte Diagnosestellung jedoch nicht immer einfach [3,4]. Philipsen riet: „Aufgrund der engen Verflechtung von ADHS und anderen psychiatrischen Erkrankungen sollte immer dann, wenn ein Patient mit mehreren psychischen Erkrankungen kommt, an eine ADHS gedacht werden. Umgekehrt gilt es aber auch, psychiatrische Komorbiditäten in Betracht zu ziehen, wenn ein Patient mit ADHS kommt.“

Auch aktuell publizierte Daten dokumentieren, dass Patienten mit einer Depression häufiger auch an ADHS leiden bzw. Patienten mit der Diagnose ADHS häufiger eine Depression aufweisen. In der Studie lag bei 35 Prozent der ADHS-Patienten eine komorbide Depression vor [5]. Prof. Kai Kahl, Hannover, nannte klinische Charakteristika einer depressiven Episode bei einer Komorbidität mit ADHS. Dazu zählen u. a. eine erste depressive Episode vor dem 20. Lebensjahr, eine erhöhte Anzahl depressiver Phasen, das Vorliegen atypischer Symptome und ein erhöhtes Suizidrisiko [6]. Faktoren, die eine ADHS-Diagnose bei einem Depressionspatienten erschweren können, sind laut Kahl eine im Kindesalter nicht erkannte ADHS sowie eine späte Manifestation der Symptome. Besonders bei therapieresistenten Depressionen liegt häufig eine ADHS vor, erklärte Prof. Sarah Kittel-Schneider, Würzburg. „Nach drei bis vier Wochen unter einer antidepressiven Therapie sollte die Symptomatik des Patienten um etwa die Hälfte zurückgegangen sein. Wird dieses Ziel nicht erreicht, sollte u. a. an das komorbide Vorliegen einer ADHS gedacht werden“, so Kittel-Schneider. Die Depression bessere sich oft erst dann deutlich, wenn man die ADHS mitbehandle.

Herausgeber: signum [ pr, nach Informationen der Takeda GmbH

Literatur:

[1] Kessler RC et al. Am J Psychiatry 2006; 163(4): 716-723
[2] Chen Q et al. PLOS one 2018; doi.org/10.1371/journal.pone.0204516
[3] Kooij JJ et al. J Atten Disord 2012; 16: 3S–19S
[4] American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage (DSM-5)
[5] Pehlivanidis A et al. BMC Psychiatry 2020; 20: 423
[6] Vannuchi G et al. J Affect Disord 2019; 246: 346-354

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