Präsentation des Digitalisierungs- und Technologiereports Diabetes

Digitalisierte Diabetespraxis: einst Trend, nun Standard?

Digitalisierungs- und Technologiereport 2021
Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T) will dazu beitragen, praxistaugliche Lösungen zu finden, die künftig zu einer modernen und patientenorientierten Diabetologie gehören werden

Berlin. Ob Analyse großer Datenmengen aus der kontinuierlichen Glukosemessung, Telemedizin, digital unterstützte Patientenschulung, Apps zur Therapieunterstützung oder Austausch in Diabetes-Communities – digitale Tools und neue Technologien gewinnen in der Diabetologie immer mehr an Bedeutung. Doch inwieweit haben sich aus dem Megatrend bereits Therapiestandards etabliert? Wie aufgeschlossen sind Behandelnde gegenüber den digitalen Therapiemöglichkeiten? Diesen Fragen geht das interdisziplinär zusammengesetzte Zukunftsboard Digitalisierung (zd) mit Unterstützung der BERLIN-CHEMIE AG regelmäßig im Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T) nach und informiert über die Entwicklungen mit aktuellen Zahlen, Trends und Einschätzungen. Auf einem virtuellen Satellitensymposium im Rahmen des DiaTec-Kongresses stellten Vertreter des zd die inzwischen dritte Ausgabe vor.

Der D.U.T, der seit 2019 jährlich im Verlag Kirchheim erscheint, ist eines der zentralen Projekte des zd. Der Report versteht sich als Forschungsprojekt und Nachschlagewerk und will mit seiner Kombination aus Umfrageergebnissen und Fachbeiträgen helfen, im Digitalisierungsdschungel praxistaugliche Lösungen zu finden, die künftig zu einer modernen und patientenorientierten Diabetologie gehören werden.
Kern des D.U.T ist eine jährliche, bundesweite Befragung unter Diabetologen*innen, die die Akzeptanz und Ressentiments gegenüber modernen Technologien ebenso aufzeigt wie die damit verbundenen Erwartungen. Der Vergleich der aktuellen Umfrageergebnisse zu denen des Vorjahres macht Veränderungen sichtbar.
Die Befragungen werden vom Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Mergentheim (FIDAM) durchgeführt in Kooperation mit mehreren Diabetes-Verbänden1.

Erstmals auch Diabetesberater*innen befragt
Im ersten Teil des D.U.T sind die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage dargestellt, an der 337 Diabetologen*innen sowie 574 Diabetesberater*innen und -assistenten*innen teilgenommen haben.
Im Jahr 2020 war Digitalisierung das Thema: bei Meetings, Kongressen, Sprechstunden und Schulungen. „Durch digitale Tools konnte vieles aufrechterhalten werden, was sonst nicht hätte stattfinden können“, so Prof. Dr. Lutz Heinemann, einer der beiden Herausgeber des D.U.T. Dass die Digitalisierung immer mehr in den Alltag der Behandelnden Einzug gehalten hat, spiegelt sich in den Ergebnissen der Umfrage wider: Der Vergleich der bisherigen drei Befragungen (D.U.T 2019, 2020, 2021) zeigt, dass sich die positive Einstellung zur Digitalisierung in den letzten Jahren deutlich verstärkt hat (2019: 63,7 % positiv/sehr positiv, 2020: 75,8 % positiv/sehr positiv, 2021: 81,9 % positiv/sehr positiv) und mittlerweile bei den meisten Befragten eine ausgesprochen positive Grundstimmung vorherrscht. Auch etwa 80 % der Diabetesberater*innen/-assistenten*innen haben eine positive Einstellung zur Digitalisierung in der Diabetologie. [1]

Prof. Dr. Bernhard Kulzer und D.U.T
D.U.T-Herausgeber Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse

Therapiebegleitung per Video
Kontaktbeschränkungen und der Schutz der Patienten*innen vor dem Corona-Virus erschweren zurzeit den Patientenkontakt. Denn obwohl eine Diabeteserkrankung einen nicht per se zur Risikogruppe gehören lässt, leiden viele Menschen mit Diabetes noch an weiteren Erkrankungen (z. B. kardiovaskuläre Erkrankungen) und sind aufgrund ihres Alters gefährdeter [2]. Doch wie nun mit den Patienten*innen die Therapie besprechen und vor allem wie schulen?
Mit Videosprechstunde und Videoschulung konnte diese Lücke in der Patienten*innenversorgung teilweise geschlossen werden. Und so zeigten die Ergebnisse der Umfrage, dass mittlerweile zumindest mehr als die Hälfte aller Einrichtungen Videosprechstunden anbieten. Und bei den meisten der befragten Diabetologen*innen (54,7 %) hat sich durch Corona die Bereitschaft erhöht, eine Videoschulung anzubieten.

Die Einstellung zur Videosprechstunde unter den Ärzten*innen hat sich 2020 (20,2 %) im Vergleich zu 2019 (9,6 %) weiter verbessert, bleibt aber noch auf einem eher niedrigen Niveau. Die meisten Diabetologen*innen erwarten jedoch, dass die Videosprechstunde zukünftig an Bedeutung gewinnen wird.

Auch bei der Videoschulung sind die Zahlen im Vergleich zu 2019 gestiegen (2019: 8,6 %; 2020: 17,4 %). „Die Videoschulung ist meines Erachtens eine sinnvolle Ergänzung zur Präsenzschulung“, erläutert der weitere Herausgeber Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, „aber nur die Hälfte der Befragten glaubt, dass die Videoschulung in den nächsten 5 Jahren an Bedeutung zunehmen wird.“

Die Diabetesberater*innen/-assistenten*innen stehen der Videoberatung (39,7 %) und -schulung (32,3 %) deutlich aufgeschlossener gegenüber als die befragten Ärzte*innen. [1]

Prof. Dr. Lutz Heinemann und D.U.T
Mitherausgeber Prof. Dr. Lutz Heinemann, Neuss, präsentierte beim virtuellen Symposium die 3. Ausgabe des D.U.T

Neue Technologien im Aufwärtstrend
Neue Technologien sind in der Diabetologie auch weiterhin stark auf dem Vormarsch. Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Anzahl der Patienten*innen mit Typ-1-Diabetes, die ein CGM-Gerät zur kontinuierlichen Glukosemessung nutzen, um weitere 26 % zugenommen – und damit in nur 2 Jahren um mehr als 100 %. Noch häufiger wird die Flash-Glukosemessung angewendet. Auch die Anzahl der Menschen mit Typ-1-Diabetes, die eine Insulinpumpe nutzen, nimmt kontinuierlich zu.
Im Trend ist auch die Verwendung von Hybrid-Closed-Loop-Systemen in dieser Patientengruppe. Und so sehen mehr als die Hälfte der befragten Diabetologen*innen (51,4 %) – und damit deutlich mehr als im vergangenen Jahr (22,9 %) – Closed-Loop-Systeme (oder AID-Systeme zur automatischen Insulin Dosierung) schon heute als sehr bedeutsam an und 86 % sind der Ansicht, dass sich diese neue Technologie innerhalb der nächsten Jahre durchsetzen wird. Jedoch sind viele der befragten Diabetologen*innen (81,4 %) der Meinung, dass sich der erforderliche Schulungsaufwand bei der Verwendung von AID-Systemen erhöhen wird. [1]

Fundierte Artikel zu aktuellen Themen in der Diabetologie
Im zweiten Teil des D.U.T beleuchten Beiträge von hochkarätigen Autoren aus Wissenschaft und Praxis die wichtigsten Neuigkeiten und Trends bei der Digitalisierung und Technologisierung in der Diabetologie. Durch die informativen Beiträge und teilweise auch kritischen Reflexionen zu verschiedenen Themenbereichen wird deutlich, auf welchen unterschiedlichen Ebenen sich die Digitalisierung mittlerweile in der Diabetestherapie etabliert hat und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Neben Updates zu Themen wie z. B. Apps, Telemedizin, Künstliche Intelligenz oder neue Technologien werden in der neuen Ausgabe auch Videoschulungen und die elektronische Patientenakte näher beleuchtet.

Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes
Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes (D.U.T) erscheint seit 2019 jährlich im Verlag Kirchheim. Die Herausgeber sind Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, und Prof. Dr. Lutz Heinemann, Neuss. Unterstützt wird der D.U.T von der BERLIN-CHEMIE AG und dem Zukunftsboard Digitalisierung (zd), einem Team aus führenden Diabetesexperten sowie Vertreten von Krankenkassen und Patienten*innen, mit dem Ziel, den Digitalisierungsprozess in der Diabetologie in Deutschland aktiv voranzutreiben.

Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes ist erhältlich über die BERLIN-CHEMIE AG und in digitaler Form auf www.zukunftsboard-digitalisierung.de/dut-report.

1 Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND), Verband der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsens (VNDN), Wissenschaftliches Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab), Bundesverband Klinischer Diabetes-Einrichtungen (BVKD) und Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD)

Herausgeber: signum [ pr, nach Informationen der BERLIN-CHEMIE AG

Literatur:

[1] Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2021, hrsg. v. Bernhard Kulzer und Lutz Heinemann,1. Auflage 2021. Verlag Kirchheim, Mainz 2021.
[2] DIABETES UND CORONAVIRUS: Informationen über das SARS-CoV-2 für Menschen mit Diabetes, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Mai 2020.

Bildnachweis©: Fotograf Mike Fuchs, Berlin

Zurück