Insulintherapie

Volumenreduktion – Möglichkeit zur Vermeidung von Lipohypertrophien

Lipohypertrophien
Die richtige Spritztechnik ist für eine erfolgreiche Insulintherapie entscheidend

Die richtige Spritztechnik ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Diabetestherapie bei Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Wird diese nicht richtig durchgeführt, kann das negative Auswirkungen auf die Blutzuckereinstellung haben. Um Komplikationen wie das Auftreten von Lipohypertrophien an Injektionsstellen zu minimieren, wird den Patienten u. a. der effektive Wechsel von Spritzstellen empfohlen. Der Einsatz von hochkonzentrierten Mahlzeiteninsulinen kann Menschen mit Diabetes die korrekte Umsetzung eines Rotationschemas erleichtern.

90° oder 45° Winkel, Hautfalte ja oder nein, Oberschenkel oder Bauchregion, ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Injektionsstellen lassen – die richtige Spritztechnik ist nicht einfach. Vor allem Patienten mit Diabetes Typ 2, die erst im Laufe ihrer Krankheit auf die Insulintherapie umstellen müssen, stehen vor einer großen Herausforderung. Um Patienten die Unsicherheit zu nehmen, ist die richtige Spritztechnik ein wichtiger Teil der Diabetes-Schulungen. Denn eine nicht richtig ausgeführte Insulininjektion kann sich negativ auf die Diabetestherapie auswirken. [1,2]

Eine häufige Komplikation bei der Insulintherapie ist das Auftreten von Lipohypertrophien, auch Spritzhügel genannt. Diese Vermehrung des subkutanen Fettgewebes entsteht vor allem bei der wiederholten Injektion von Insulin in dieselben Hautareale und bei der Mehrfachbenutzung der Nadeln [3]. Das Insulin wird im lipohypertrophischen Gewebe sehr viel schlechter resorbiert als im gesunden Gewebe [2] und so kann das Auftreten von Lipohypertrophien mit erhöhten postprandialen Werten korrelieren [3]. Um dies zu verhindern, wird Patienten die regelmäßige Rotation der Einstichstellen empfohlen [1]. Dabei ist auf einen ausreichenden Abstand der Injektionsstellen zueinander zu achten [1].

Therapie kann korrekte Durchführung erleichtern

Eine Möglichkeit, Patienten die korrekte Durchführung des Rotationsschemas zu erleichtern, kann der Einsatz von hochkonzentrierten Mahlzeiteninsulinen sein. Durch die Verringerung des Injektionsvolumens kann das Dosissplitting entfallen, das bei Patienten mit hohen Einzeldosen empfohlen wird. So halbiert sich die Anzahl der Injektionen und es steht für die Injektion mehr Hautfläche zur Verfügung, wodurch eine Platzierung der Einstichstellen mit genügendem Abstand zu einander einfacher wird.

Durch die Reduzierung des Volumens wird außerdem die Injektionsstelle selbst kleinflächiger. Eine Studie hat gezeigt, dass sich das Insulindepot nach dem Spritzen flächig parallel zur Hautoberfläche ausbreitet und diese laterale Ausbreitung mit zunehmendem Volumen zunimmt [4]. Das bedeutet für Patienten mit hohen Dosen, dass sie noch größere Spritzabstände einhalten müssen, um Überlappungen der Insulindepots zu vermeiden. Bei Patienten mit hochkonzentrierten Mahlzeiteninsulin ist durch die kleinflächigeren Insulindepots eine Überlappung durch zu enges Setzen der Einstiche unwahrscheinlicher. Dies könnte die effektive Rotation erleichtern und der Entstehung von Lipohypertrophien vorbeugen.

Einteilung der Spritzregion

Rotationsmuster können aus einzelnen Zonen oder Quadraten bestehen. Der Wechsel der Injektionsstellen kann entweder im Kreis oder in der Reihe verlaufen. Es besteht auch die Möglichkeit, diese nach Wochentagen aufzuteilen [1]. Es wird empfohlen, Patienten mit Diabetes schon zu Beginn der Insulintherapie auf ein leicht zu befolgendes Rotationsschema einzuweisen, wie die Spritzregionen in Quadranten aufzuteilen und diese im Uhrzeigersinn jede Woche wechseln zu lassen. [1]

Lipohypertrophien sind häufig

Dennoch scheint es Patienten schwer zu fallen, dieser Empfehlung zu folgen und das Rotationsschema einzuhalten. Eine weltweite Umfrage ergab, dass fast ein Drittel der befragten insulinpflichtigen Diabetiker an Lipohypertrophien leiden [5]. Gründe dafür können unterschiedlich sein. Schwierigkeiten, die korrekte Durchführung der Rotation in den Alltag zu integrieren, da z. B. durch Zeitmangel das Insulin immer wieder in Eile injiziert werden muss. Oder die Injektion in eine Lipohypertrophie erscheint attraktiver, da sie weniger schmerzhaft ist. Daher ist es wichtig, dass sich das medizinische Fachpersonal bei jedem Besuch davon überzeugt, dass die Spritzrotation eingehalten wurde, und die Patienten dementsprechend berät. [1] Eine regelmäßige Kontrolle der Spritzstellen empfehlen auch Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft [6]. Zusätzlich ist eine vierteljährliche bzw. halbjährliche Inspektion der Spritzregionen von insulinpflichtigen Diabetespatienten Teil des Disease-Management-Programmes (DMP) [7].

Herausgeber: signum [ pr GmbH, nach Informationen der BERLIN-CHEMIE AG

Quellen:

[1] Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V.: Leitfaden zur Injektion bei Diabetes mellitus, 2. bearbeitete Auflage November 2016
[2] Famulla S et al. Diabetes Care. 2016; 39(9): 1486-1492
[3] Blanco M et al. Diabetes & Metabolism 2013; 39: 445-453
[4] Leuenberger JP et al. Journal of Diabetes Science and Technology 2013;7(1): 227-237
[5] Frid A Mayo Clinic Proceedings 2016; 91(9): 1224-1230
[6] Haak T et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2018; 13 (Suppl 2): S120–S130
[7] DMP Praxis-Manual: Eine Arbeitshilfe für die strukturierten Behandlungsprogramme; Stand Januar 2019 https://www.kvno.de/downloads/vertraege/dmp/Praxismanual_DMP_Nordrhein.pdf (letzter Abruf: 06.02.2019)

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