Lungenerkrankungen bei Kindern besser behandeln:

Klosterfrau-Forschungspreise gehen an zwei Wissenschaftlerinnen

Preisträgerinnen Klosterfrau Award 2019 Mirjam Stahl und Shu Mei Teo
Preisträgerinnen Klosterfrau Award 2019 Mirjam Stahl und Shu Mei Teo

Die Früherkennung und eine Behandlung schon im Säuglingsalter sind entscheidend, um die späteren Beschwerden durch chronische Lungenerkrankungen zu minimieren. Das haben die Forschungen von zwei Wissenschaftlerinnen ergeben, die Asthma und Mukoviszidose bei Säuglingen und Kleinkindern untersucht haben und nun für ihre Erkenntnisse mit den Klosterfrau-Forschungspreisen ausgezeichnet worden sind.

München – Shu Mei Teo vom Baker Herz- und Diabetes-Institut in Melbourne (Australien) erhielt den ‚International Klosterfrau Award‘ für die Erforschung von Atemwegserkrankungen im Kindesalter. Ihr war es gelungen aufzuzeigen, dass bisher geltende Vorstellungen von kindlichen Atemwegsinfekten und der Entwicklung eines Asthma bronchiale überdacht werden müssen. Der ‚International Klosterfrau Grant‘ im gleichen Forschungsgebiet ging an Mirjam Stahl vom Universitätsklinikum Heidelberg für ihre Forschungen zur Untersuchung und Therapieüberwachung der Mukoviszidose im Säuglingsalter.

Die beiden Forschungspreise, welche mit 20 000 Euro und 30 000 Euro dotiert sind, wurden anlässlich der 41. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in München verliehen. Jährlich werden durch die beiden Auszeichnungen bahnbrechende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Lungenheilkunde gewürdigt.

Erhöhtes Risiko durch Zusammenspiel von Bakterien und Allergenen

Die Genetikerin und Molekularepidemiologin Dr. Shu Mei Teo erforscht die Rolle von Bakterien in den oberen Atemwegen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Asthmaerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern haben. Mit ihren Untersuchungen hat Teo nun einen kritischen Zeitraum identifiziert, in dem Mikroorganismen und Allergene bei Atemwegserkrankungen von Kindern zusammenwirken. Die Forschungsergebnisse beruhen auf einer Studie mit knapp 250 Kindern, die ein hohes Risiko für die spätere Entwicklung einer allergischen Erkrankung aufwiesen.

Zwar werden Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr meist durch Viren ausgelöst doch wurde die Bedeutung von Bakterien in diesem Zusammenhang bisher unterschätzt, fand die Forscherin heraus. Denn oftmals setzen sich Bakterien wie Streptococcus, Haemophilus und Moraxella zeitlich vor dem Auftreten der üblichen Viren und den damit verbundenen respiratorischen Symptomen in den oberen Atemwegen fest.

Jurymitglied Klosterfrau Award Prof. Dr. Josef Riedler
Jurymitglied Klosterfrau Award Prof. Dr. Josef Riedler mit den beiden Preisträgerinnen

Zudem konnte sie die ersten beiden Lebensjahre als kritisches Zeitfenster identifizieren. Breiteten sich in dieser Periode Bakterien im Nasenrachenraum aus, ging dies mit einer späteren anhaltenden keuchenden Atmung, dem sogenannten Wheeze, einher. Dies galt jedoch nur für Kinder, bei denen auch eine allergische Sensibilisierung nachweisbar war. Lag diese nicht vor, waren die gleichen Erreger nur mit einem vorübergehenden Wheeze verbunden, der sich in späteren Lebensjahren wieder zurückbildete.

Wheeze ist der wissenschaftliche Name für eine pfeifende, keuchende Atmung bei Säuglingen und Kleinkindern, die als Vorbote eines späteren Asthmas gilt. In den ersten Lebensjahren scheinen demnach Allergene auf der einen und Mikroorganismen auf der anderen Seite zusammenzuwirken und gemeinsam ein Asthma bronchiale auszulösen.

Wenn sich diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, könnten zukünftig Hochrisikokinder mit früher allergischer Sensibilisierung ermittelt werden, bei denen unter engmaschiger Überwachung durch ein frühes Eingreifen ein späteres Asthma verhindert werden kann.

Frühe Behandlung hilft bei Mukoviszidose

Dr. Mirjam Stahl, die als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin die Krankheit Mukoviszidose erforscht, konnte nachweisen, dass eine präventive Behandlung schon bei Säuglingen positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat. Bei Mukoviszidose handelt es sich um eine angeborene und bislang unheilbare Stoffwechselerkrankung, die für eine starke Schleimbildung in der Lunge und in anderen Organen verantwortlich ist.

Die Forscherin konnte anhand einer Untersuchung von 42 Säuglingen mit Mukoviszidose belegen, dass sich durch die Inhalation von 6-prozentiger Kochsalzlösung – vier Mal täglich über einen Zeitraum von zwölf Monaten – die Atmung der Neugeborenen deutlich verbessern lässt. Die Auswertung der Studie nach einem Jahr zeigte die gute Verträglichkeit der Therapiemaßnahme und nur geringfügige Nebenwirkungen bei den Kleinkindern. Neben einer deutlich verbesserten Lungenfunktion ließ sich auch eine bessere allgemeine körperliche Entwicklung feststellen. In weiteren Untersuchungen sollen nun zusätzliche präventive Behandlungsmöglichkeiten der Mukoviszidose erforscht werden.

Quelle: 41. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, 15. März 2019, München

Herausgeber: signum [ pr GmbH, nach Informationen der Klosterfrau GmbH

Bildnachweis: © Paul Günther

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