Unsere Weihnachtsspende 2018

Kindern und Jugendlichen in Not eine Perspektive bieten

Kinder und Jugendliche erhalten bei AUF ACHSE eine individuelle Betreuung.
Kinder und Jugendliche erhalten bei AUF ACHSE eine individuelle Betreuung.

Wenn das eigene Zuhause keine sichere Umgebung mehr bietet, wenn Mama und Papa Angst hervorrufen statt Geborgenheit, dann braucht es Unterstützung von außen. AUF ACHSE ist eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen. Der Verein bietet nicht nur eine Unterkunft, sondern unterstützt Jugendliche beim Entwickeln einer neuen Perspektive – und das seit fast 30 Jahren. Cordula Götz, Regionalgeschäftsführung Köln, erzählt über ihre Arbeit mit den Jugendlichen im Wandel der Zeit.

Frau Götz, was verbirgt sich hinter dem Namen „AUF ACHSE“?

Das war eine Idee der studentischen Gruppe, die vor 30 Jahren den Verein „Auf Achse Treberhilfe“ gegründet hat. Damals haben wir versucht, mit jungen Menschen am Kölner Hauptbahnhof Kontakt zu kommen, die ständig „auf Achse“ waren. Also Jugendliche, die unterwegs waren und keine feste Anbindung hatten.

Richtet sich Ihr Verein also gezielt an obdachlose Jugendliche?

Nein. Das sind unsere Ursprünge. Die lagen ganz klar in der Straßensozialarbeit am Bahnhof, was wir nach wie vor machen mit unserem Beratungsangebot BOJE. Das ist ein alter KVB Linienbus, der bunt bemalt ist. Aber im Laufe dieser 30 Jahre hat sich natürlich unsere Arbeit zum einen weiterentwickelt und zum anderen auch sehr ausgeweitet und ausgebaut.

Welche Hilfsangebote bietet AUF ACHSE noch an?

Wir bieten Inobhutnahmen an. Wenn beispielsweise die Polizei nachts einen 14-jährigen am Bahnhof antrifft und er sagt: „Ich will nicht nach Hause.“, dann bringt die Polizei ihn zu uns. Wir sprechen uns dann mit dem Notdienst des Jugendamtes ab, ob wir ihn erstmal aufnehmen können.

AUF ACHSE bietet einen praxisnahen Schulersatz
Für Flüchtlingskinder bietet AUF ACHSE einen praxisnahen Schulersatz an.

Zudem kümmern wir uns um unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Bei Flüchtlingskindern, deren Eltern zum Beispiel im Krieg verstorben sind und es keine nahen Angehörigen mehr gibt, beantragt das Jugendamt beim Familiengericht einen Vormund. Das dauert meistens sehr lange. Damit die Kinder nicht „in der Luft hängen“ und erstmal nichts passiert, haben wir ein Schulersatz-Programm, wo grundlegende Sachen geübt werden: „Wie verhält man sich hier im Straßenverkehr?“, „Wie funktioniert das System des öffentlichen Personennahverkehrs?“ oder „Wo kauft man ein und was ist der Unterschied zwischen einem Discounter und einem Delikatess-Supermarkt?“, also ganz lebenspraktische Lektionen.

Dann haben wir noch eine Intensivwohngruppe mit acht Plätzen, wo wir junge Menschen ab 14 Jahren betreuen. Deren Hintergrund ist nochmal komplizierter, sie sind vom Verhalten her auffälliger und passen deshalb nicht in ein normales Heim oder eine normale Wohngruppe rein.

Feste Strukturen sind wichtig. Doch bei zu strengen Regeln brechen Jugendliche aus.

Worauf muss man da besonders achten?

Wir versuchen sehr individuell zu schauen, welches Regelwerk zum Einzelnen passt. In der klassischen Jugendhilfe oder Wohngruppe gibt es gleiche Regelungen für alle jungen Bewohner. Es wird geregelt, wann aufgestanden wird, wann gegessen wird, wann Hausaufgabenzeit ist und so weiter. Wir machen es hingegen anders, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass gerade mit den etwas herausfordernden Jugendlichen dieses System nicht funktioniert. Da brechen die aus. Stattdessen versuchen wir, auf den Jugendlichen individuell einzugehen. Die jungen Leute brauchen Orientierung, sie brauchen Rat und sie brauchen Grenzen. Aber die müssen so sein, dass sie auch angenommen werden können. Dann kann man die Struktur weiter steigern.

Was sind denn die häufigsten Probleme, mit denen Jugendliche heutzutage zu kämpfen haben?

Das ist schwierig zu sagen, weil es sehr bunt gemischt ist. Es gibt natürlich Kinder von Eltern, die psychisch erkrankt sind, oder Eltern mit einer Suchtproblematik und Elternhäuser, wo Gewalt eine große Rolle spielt, oftmals ein geringes Bildungsniveau herrscht und manchmal Familien, die sich mit dieser Familiengeschichte schon lange in diesem Hilfesystem befinden und den Ausstieg nie gefunden haben. Wir haben es mit Familien und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten zu tun. Die Tochter vom Anwalt, die auffällig wird und von zu Hause abhaut, die dann vielleicht Drogen nimmt oder anfängt zu klauen –solche Geschichten gibt es auch.

Die äußeren Umstände ändern sich zwar, die Kernprobleme wie Angst und Gewalt bleiben.

Was sind die größten Herausforderungen bei Ihrer Arbeit?

Die größten Herausforderungen liegen darin, dass die Jugendlichen eine Menge an negativen Erfahrungen und sehr ordinärem Verhalten mitbringen. Das fordert die Kollegen und Kolleginnen vor Ort heraus. Man muss sich immer klarmachen: Das sind nicht die bösen, delinquenten Monsterkinder, sondern das sind Menschen in der Pubertät, was rein physisch schon eine Krisensituation ist und die dann auch noch aus einer massiven sozialen Krise kommen. Das äußert sich natürlich auch im Verhalten. Das bedeutet keinen persönlichen Angriff, sondern ist letztendlich immer ein Ausdruck eigener Hilflosigkeit. Das sind so die größten Herausforderungen: Den Menschen die Grenzen zu zeigen und letztendlich zu spiegeln, was sozialverträgliches Verhalten ist und was nicht. Deshalb ist es auch wichtig, dass da Profis sitzen. Bei uns arbeiten beispielsweise Erzieher oder Sozialarbeiter – Fachleute, die das gelernt haben

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten knapp 30 Jahren verändert?

Wenn ich so an die 90er-Jahre denke, da hatten wir viel mit Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren zu tun, die Heroin konsumiert haben. Da war Aids ein großes Thema. Das hat sich schon sehr verändert. Was sich seitdem auch sehr stark verändert hat, ist der Umgang mit dem Internet und Smartphones. Damals haben wir Diskussionen geführt wie: „Um wie viel Uhr ist der Fernseher aus.“ Heute sind es Diskussionen: „Machen wir freies WLAN in den Häusern?“. Aber von den Grundproblemen her, glaube ich, hat sich nicht viel verändert. Aspekte wie Gewalt, sei es sexuelle, körperliche oder seelische Gewalt, die junge Menschen erfahren, das hat sich vom Kern her nicht verändert. Das schädigt die Leute, und das sind letztendlich immer die Gründe dafür, warum sie sich an uns wenden.

Weitere Informationen erhalten Sie auch im Internet unter http://www.auf-achse.de

Spenden

AUF ACHSE Treberhilfe e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE80 3702 0500 0007 0471 00
BIC: BFSWDE33XXX

Bildnachweis: GASTDESIGN - Visuelle Kommunikation

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