Diabetes Kongress 2019

Fünf Subtypen und ein Motto

Berlin. Unter dem Motto „Diabetes – Nicht nur eine Typ-Frage“ stand die 54. Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft DDG vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2019 im Berliner CityCube. Denn neueste Entwicklungen weisen auf besondere Verlaufsformen innerhalb der bekannten Diabetestypen hin. Eine Studie aus Schweden konnte aufzeigen, dass beim Typ-2-Diabetes fünf Subgruppen unterschieden werden können. Grund genug, sich mit dem Thema genauer zu beschäftigen.

Die bisherige Einteilung der Diabeteserkrankung erfolgt überwiegend in zwei Typen. Der Typ-1-Diabetes mit absolutem Insulinmangel, bedingt durch die autoimmunologische Zerstörung der Betazellen im Pankreas, beginnt meist schon im Kindesalter und ist immer insulinpflichtig. Die große Gruppe der Typ-2-Diabetiker leidet primär an einer Insulinresistenz bzw. einem relativen Insulinmangel. Als besondere Variante des Erwachsenendiabetes ist der LADA („latent autoimmune diabetes in adults“); dieser beginnt zunächst als Typ-2-Diabetes entwickelt sich aber aufgrund einer Autoimmunerkrankung immer mehr zu einem Typ-1-Diabetes. [1,2]

Die Ergebnisse einer schwedischen Kohortenstudie von Ahlquist et al. [3] zeigen, dass nicht alle Typ-2-Diabetiker gleichermaßen von Spätkomplikationen bedroht sind. Mit der neuen Klassifikation, die sich auf sechs Parameter stützt, könnte der Verlauf der Erkrankung besser vorhersehbar gemacht werden. Denn eine allein auf dem Blutzuckerspiegel begründete Einteilung scheint vielen Diabetologen nicht ausreichend zu sein [1]. Schon der Krankheitsverlauf ist sehr heterogen: Frühzeitige Insulinpflicht durch Betazellversagen, eine zügige Entwicklung von Augen- und Nierenschäden, Augenprobleme oder kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Folgeerkrankungen können sich bei manchen Patienten schnell und schwerwiegend entwickeln, während andere Patienten nicht einmal auf Insulin angewiesen sind. [1,2]

Dementsprechend gingen sechs Parameter (Alter zum Zeitpunkt der Diagnose Typ-2-Diabetes, Antikörperstatus, Body Mass Index, HbA1c, Betazellfunktion und Insulinresistenz) in die Analyse ein. Nach der Auswertung ergeben sich fünf Subgruppen, drei davon (SAID, SIDD, SIRD) mit einem schwerwiegenden und zwei (MOD, MARD) mit einem milden Krankheitsverlauf. [1,2]

1. Der SAID („severe autoimmune diabetes“) entspricht dem LADA

  • früher Beginn
  • hohe HbA1c-Werte
  • gestörte Insulinproduktion
  • Antikörper
  • 6 bis 15 %

 2. Der SIDD („severe insulin-deficient diabetes“)

  • hoher HbA1c-Wert
  • gestörte Insulinsekretion
  • moderate Insulinresistenz
  • Hohe Inzidenz an Retinopathien
  • 9 bis 20 %

3. Der SIRD („severe insulin-resistant diabetes“)

  • Adipositas
  • schwere Insulinresistenz
  • häufiges Auftreten von Nierenschäden und koronaren Ereignissen
  • hohe Behandlungskosten
  • 11 bis 17 %

4. Der MOD („mild obesity-related diabetes“)

  • Übergewicht
  • Erkrankung in relativ jungen Jahren
  • keine Insulinresistenz
  • 18 bis 23 %

5. Der MARD („mild age-related diabetes“)

  • größte Gruppe
  • Entwicklung der Erkrankung erst im höheren Lebensalter
  • mäßige metabolische Veränderungen
  • 39 bis 47 %

In Schweden konnte die Einteilung noch in drei weiteren Kohorten bestätigt werden [1]. Ob es aufgrund dieser Studien zu einem Paradigmenwechsel in der Diabetologie kommt, wird sich zeigen. Doch die Ergebnisse sind ein Beispiel für die unterschiedlichsten Ausprägungen der Diabeteserkrankung. Die Vielfalt der Herausforderungen des Diabetes abbilden – das wollte die DDG mit dem Motto des diesjährigen Diabetes Kongress 2019 ausdrücken, an dem in diesem Jahr wieder 7.000 Besucher aus dem deutschsprachigen Raum teilgenommen haben [4].

Herausgeber: signum [ pr GmbH, Julia Scheer

Quellen:

[1] Ärzteblatt.de, März 2018, (letzter Zugriff: 17.06.2018)
[2] Dtsch med Wochenschr 2018; 143(08): 546-547

DOI: 10.1055/a-0592-1044
[3] Ahlquist et al. Lancet Diabetes & Endocrinology 2018 6(5): 361-369

DOI: http://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(18)30051-2/abstract
[4] https://diabeteskongress.de/kongress (letzter Zugriff: 17.06.2019)

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