AG Pädiatrie der DGSM

Bei Schlafstörungen auch an Eisen und Ferritin denken

Eisenmangel kann sich negativ auf den Schlaf auswirken und die Ursache von nächtlichen Bewegungsstörungen wie dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) oder periodischen Beinbewegungen (PLM) sein. Daten aus dem Schlaflabor des Kinderkrankenhauses Landshut zeigen, dass schon bei Kindern und Jugendlichen mit Schlafstörungen häufig ein Eisenmangel vorliegt. Doch welche Konsequenzen ergeben sich hieraus?

Anhaltender Eisenmangel beeinträchtigt sowohl Motorik als auch Kognition, da das dopaminerge System gestört wird. Wenn Eisen als Cofaktor der Tyrosin-Hydroxylase fehlt, fällt auch ein wichtiges Enzym für die Dopamin-Produktion aus. Man nimmt daher an, dass die Symptome des RLS durch eine dopaminerge Störung aufgrund einer zu niedrigen Menge an Eisen im Gehirn entstehen [1].

Eine Bestimmung des Ferritins sollte laut Leitlinien immer durchgeführt werden, wenn die Diagnose RLS und/oder PLM vorliegt. Denn Studien belegen, dass sich RLS- und PLM-Symptome verschlechtern, wenn der Serum-Ferritin-Wert unter 50 µg/l fällt. Bei Kindern und Jugendlichen zeigen die bisherigen klinischen Daten und Erfahrungswerte, dass durch eine Eisensubstitution ab diesem Grenzwert eine signifikante Verbesserung der RLS- und PLM-Symptome erzielt werden kann. Die International Restless Legs Syndrome Study Group empfiehlt daher in dieser Patientengruppe als therapeutisches Ziel ein Serum-Ferritin von über 50 µg/l anzustreben [1].

Eisen für alle?

Eine hohe Prävalenz eines Eisenmangels bei Kindern und Jugendlichen dokumentieren die Daten von 173 Patienten im Alter von 1 bis 18 Jahren, die mit einem Verdacht auf Schlafstörungen im Zeitraum Januar 2016 bis Oktober 2018 in das Schlaflabor in Landshut eingewiesen wurden. Bei 87 % der Patienten lag der Ferritin-Wert unter 50 µg/l und sie zeigten anamnestisch klinische Symptome wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme und unruhigen Schlaf. Allerdings wiesen in den polysomnografischen Untersuchungen nur ein Drittel dieser Patienten auffällige Schlafparameter auf. Für Dr. Barbara Schneider, Leiterin des Zentrums für Neuropädiatrie und Schlafmedizin in Landshut, ergibt sich hieraus die Frage, ob ein Cut-off-Wert für den Ferritin-Spiegel von 50 µg/l auch für Kinder und Jugendliche generell anwendbar ist, um eine Eisensubstitution zu rechtfertigen [1].

Quelle: AG Pädiatrie der DGSM, 22.-23.März 2019, Wien
[1] Schneider B et al. In: Weiss S, Sausseng W, Paditz E Hrsg. Aktuelle Kinderschlafmedizin 2019; S. 147-157

Herausgeber: signum [ pr GmbH

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